Sowas “lächerliches” wie ein Tunnelname – Strich drunter! Wie kam es zu dem Hype?

Seit gestern habe ich (HP) Besuch von meiner 70-jährigen Oma aus Leipzig bekommen. SIe hat in der Leipziger Volkszeitung (LVZ) von der Geschichte gelesen. Als ich gestern in meiner vielleicht zu unüberlegten, naiven, leidenschaftlichen und unpolitischen Art den Artikel “Zuckerbrot&Peitsche” geschrieben habe, konnte sie nicht verstehen, warum ich da so einen Wind mache und Zeit investiere. Mit Ihrem Wissen aus der Zeitung und meinem Artikel konnte Sie nicht viel anfangen. Also habe ich ihr den Anfang erklärt, wie alles passiert ist. Dabei hat sie genau so reagiert wie eben mehrere zehntausende auch, und nun mehr Verständnis. Meine Schlussfolgerung ist, da wir hier Betriebsblind die Zusammenhänge im Kopf haben und Leute von außerhalb (aber auch in Gmünd) nur teilweie Informationen aus Zeitungen haben, geht viel Grundlage verloren. Hier nochmal in Einzelschritten der Ablauf des Hype.

  1. Das Regierungspräsidium gibt die Hoheit über die Benennung des Tunnels soweit frei, dass die Stadt Schwäbisch Gmünd einen Vorschlag machen soll und dazu die Meinung der Bürger einholen soll.
  2. Die Stadt Schwäbisch Gmünd lässt sich von Bürgern Namensvorschläge machen. (bis 01.Juli 2011)
  3. Die Vorschläge werden auf eine Liste gesetzt, nur pornografische und absurde Namen werden gestrichen.
  4. Die Stadt Schwäbisch Gmünd SELBST bestimmt die Meinungs-Umfrage ins Internet zu stellen. (Briefe sind übrigens auch erlaubt, wurden nur kaum genutzt)
  5. Die Liste mit allen zugelassenen Namen wird von der Stadt ins Internet gestellt. Der Name “Bud-Spencer-Tunnel” IST BEREITS auf dieser Liste. (13.Juli 2011)
  6. Benedikt Elser als Bud-Spencer Fan bekommt von Matthias Bolsinger den Hinweis, dass auf dieser Liste die Möglichkeit besteht, den Tunnel nach seinem Idol zu benennen. Die Stadt hat diesen Vorschlag ja zugelassen, weit bevor es einen Hype gab.
  7. Benedikt gründet eine Facebook-Seite in der er seinen Freunden bescheid sagt und bittet für sein Idol Bud Spencer abzustimmen um diesen Tunnelnamen zu ermöglichen.
  8. Nachdem einige hunderte diesem Aufruf folgen, hat die Stadt verkündet (in der Schwäbischen Post) „Wir wollen keine Promi-Namen vergeben, sondern wollen einen regionalen Bezug im Tunnelnamen“
    !!! HIER beginnt der Hype, denn hier wird klar, was die Stadt bis heute nicht zugibt. Die Stadt hat einen riesigen Fehler gemacht, denn die Stadt selbst hat ja die Liste zugelassen und das Medium bestimmt. Nicht irgendeine “Spaß-Guerilla-Facebook-Gruppe”
  9. Bud Spencer fühlt sich zutiefst geehrt und will nach Gmünd kommen
  10. Alles weitere ist eigentlich bekannt. Die Stadt will die bereits feststehende Entscheidung möglichst nicht so hart dastehen lassen. Montagsdemo mit 300-400 Teilnehmern (Zeitungen geben unterschiedliches an). National und Internationale Berichte, Bud-Spencer Fan-Gruppen… die Entscheidung für das Freibad und keine Entscheidung für den Tunnel.

Im Übrigen hat hier (Punkt 8 ) meine Oma auch genau so reagiert, mit Unverständnis und Kopfschütteln, denn diese Historie wird sehr oft in den Berichten vergessen und so dargestellt als hätte eine Facebook-Gruppe irgendeinen Namen bestimmt. Hier entsteht dann auch der Beitrag es wäre nicht Ernst oder eine Spaß-Aktion, doch dieser Fehler ist Hausgemacht. Wer den Namen auf die Liste gebracht hat, ist übrigens nicht bekannt. Die Person möchte Anonym bleiben.

Das Argument “Man möchte ja nicht zensieren” gilt auch nicht, denn die Stadt Schwäbisch Gmünd hatte doch vorher lange genug zeit Kriterien Festzulegen die die Benennung einschränken und “Promi-Namen” ausschließen. Dies hat die Stadt aber nicht gemacht! Im Übrigen ist uns allen klar, dass diese Wahl unmöglich als demokratische Grundlage genommen werden kann. Aber wenn wir uns das erste Statement der Stadt und die Finale Entscheidung ansehen, ist es identisch. Wir lassen Abstimmen, wollen aber nich das Ergebnis! Wozu dann?

So und jetzt Butter bei die Fische. Wer achtet auf sowas unbedeutendes wie einen Tunnelnamen? WIe heißt der Aalener B-29-Tunnel oder der lange B29-Tunnel vor Stuttgart? KEINER weiß das und keinen interessiert das!

Das wird in Gmünd nicht anders sein. Es kommt ein Schild und da steht ein Name drauf. Weder wird man deswegen schlauer über die Stadt noch sonstwas. In diesem Fall von Schwäbisch Gmünd, hätte es jedoch zum ersten mal einen Unterschied gemacht… . Man hätte aus Nichts (Schild mit Tunnelname) echtes Interesse für die ganzen schönen Dinge der Stadt generieren können, zum Null-Kosten-Beitrag. Ob das 100.000 Leute wollen oder nur 1.000, diese Chance war groß für sowas lächerliches wie ein Tunnelname einen Profit für die Stadt zu bekommen. Und vorher hat es auch kaum jemanden Interessiert. Und daher meinten wir den Vorschlag Bud-Spencer-Tunnel absolut ernst, obwohl das Thema an sich doch nur geringe Bedeutung hat, für den einen oder anderen eben “lächerlich” ist. (Hier alle unsere ernsten Argumente!)

Zurück zum Alltag, der Tunnel ist tot. Wie die LINKE in der FAZ sagt: “völlig gleichgültig wie der Gemeinderat (heute) entscheiden wird, bei den 100.000 Menschen die ihr Votum für den Bud Spencer Tunnel abgegeben haben, wird der Tunnel immer Bud Spencer Tunnel heißen!” Was wird nun weiter aus der Stadt mit dem Bud-Spencer-Freibad?

Aufgrund dieses Wissens möchte ich nun 2 Zeitungs-Berichte kommentieren, wo Äpfel mit Birnen verglichen werden:

1. die gute Rems-Zeitung mit Jörg Hinderberger (“Facebook schadet dem Demokratie-Gefanken“). HIer steht u.a. folgendes zum Thema Demokratie.

“Wollen junge Menschen wirklich in der städtischen Politik aktiv mitwirken, wenn über 50 Prozent von Ihnen nicht Mal den Weg zur Wahlurne kennen?”

=> auf der “Bundeszentrale für politische Bildung” sieht man u.a. wie die Wahlbeteiligung nach Alter ausfällt. Bekannt ist auch, dass die Wahlbeteiligung bei Jugendlichen in den letzten Jahren sinkt, aber ist das nicht ein Gesellschaftsproblem. Woher soll die Motivation kommen, wenn wahlen von vornherein bestimmt sind? (ich bin übrigens überzeugter Immer-Wähler, weil ich denke sonst darf ich auch keine Meinung haben, wenn ich nichtmal wählen gehe.) Außerdem ist es unseriös einfach anzunehmen diese Thema Tunnel-Wahl sei ein rein Jugendliches Thema. Es gab Beteiligung, echte Kommentare aus allen Altersschichten. Außerdem hat Facebook gar nicht die Möglichkeit zur Wahl gehabt sondern eine Facebook-Gruppe hat zur Wahl auf der technisch schlecht gemachten Seite der Stadt Schwäbisch Gmünd aufgerufen. (technisch schlecht, weil mehrfachwahl mit beliebigen eMail-Adressen möglich war)

bud-spencer-city-alt“Wenn 80 000 per Mausklick für einen Bud-​Spencer-​Tunnel klicken, aber 250 000 leider nicht in Facebook sind oder keine Lust haben zu klicken, da sie eine eigene Meinung haben, muss der Gmünder Tunnel dann wirklich nach einem Filmstar bezeichnet werden? ”
=> Der Name wurde nicht von Facebook und Co erfunden, er wurde der Stadt genannt und von der Stadt zur Wahl freigegeben. Die Stadt hat die Wahl selbst ins Internet verlegt und kann sich doch nicht beschweren, wenn das dann auch genutzt wird. Hier liegt das Problem der Enttäuschung!

Im übrigen denke ich nicht annähernd, dass Facebook eine gute Sache ist. Es nervt oft und echte Freunde trifft man im echten Leben und hat dort gemeinsam Spaß. Ich will auf keinen Fall eine Gesellschaft aus Facebook-Wählern, wie es polemisch in diesem Artikel genannt wird.

2. Aus der Pforzheimer Zeitung: (Im Schatten von Bud Spencers Tunnel-Geschichte)

Hier wird gezeigt, dass Mühlackers Bürgermeister bei der Entscheidung für das Logo der Landesgartenschau die Bürger gefragt hat und das diese den gleichen Favorit hatten wie die Bürgervertreter. Sehr löblich, nur was hat das mit der Bud-Spencer-Tunnel Benennung zu tun? Denn der Unterschied ist, dass Mühlacker vermutlich auch nur Logos zugelassen hat, die alle Kriterien der Stadt erfüllen. Somit wären auch alle Logos für die Stadtvertreter in Ordnung gewesen. Gmünd hat offensichtlich einfach alles zugelassen und vorher keine Kriterien zur Einschränkung gemacht. Also dank ordentlicher Kriterien ist man nicht in so einen Schlamassel wie Gmünd gekommen. SO sollte es in der Tat richtig gehen, der Vergleich allerdings hinkt!

Um der Geschichte mit meiner Oma ein rundes Ende zu geben. Warum ich so viel Emotion in dieses Thema gebe und traurig bin, wenn es so kommt wie ich es befürchte… Ich habe meiner Oma heute Gmünd gezeigt. Schwäbisch Gmünd ist eine wirklich tolle Stadt. Wir haben nächstes Jahr 850-Jahr-Feier des Stadtrechts. Wir haben 2014 die Landesgartenschau. Wir haben bei aller Kritik auch einen wirklich tollen Bürgermeister Arnold der viel bewegt und positiv verändert. Wir haben tolle Geschichte und spannende Bauwerke. Gmünd wird mit der Zusammenlegung von Rems und Josefsbächle ein Naherholungsgebiet bekommen. Gmünd ist wirklich schön und hätte es verdient weiter im Rampenlicht zu stehen und durch sowas unbedeutendes wie ein Tunnelname größe zu zeigen. Kein Bud-Spencer-Tunnel hätte auch nur einen Hauch von Schatten auf die Stadt und den positiven Eigenschaften geworfen. Es hätte Millionen neuer Fans gebracht und die sympatische Marketing-Möglichkeiten eröffnet. Gmünd hätte gesamt profitiert und das mit einem Thema, was nirgendwo anders funktioniert hätte und nicht wiederholbar ist.

Der Bud-Spencer-Tunnel ist tot. Er wird aber bei vielen Menschen dennoch so genannt werden, egal wie viele Einhörner darauf stehen. Hier die endgültige Entscheidung des Gemeinderats, die wir akzeptieren und selbstverständlich tatsächlich das einzig demokratische ist (auch wenn vor der Wahl wohl schon alles klar war)


3 Gedanken zu “Sowas “lächerliches” wie ein Tunnelname – Strich drunter! Wie kam es zu dem Hype?

  1. Guter Beitrag. Schlüssig aufbereitet. Es gefällt mir gut, dass die ganze Geschichte einmal losgelöst von Facebook betrachtet wird. Es ist auch gut, mal die ganze Story von Beginn an aufgezeigt zu bekommen. Die Allermeisten haben den Start sicherlich nicht mitbekommen. So wie ihr es beschreibt, ist es ein Beispiel für eine sehr unbedarfte Nutzung von Social Media seitens der Stadt Gmünd. Auch wenn die Aktion einen hohen Spaß-Faktor hatte, leuchten mir die genannten Argumente pro Tunnel ein. Ich hoffe nur, dass wenigstens das Bud-Spencer-Bad kommt. Es wäre schade, wenn soviel kreative Energie in den Sandstrand der Rems gesetzt würde.

    • haha… Ja Thomas, Danke Dir. Den Fehler mit der unvollständigen Information für alle, die nicht so tief drin sind habe ich leider viel zu spät gemerkt. Aber man lernt ja nie aus. Was am Ende daraus wird, wir werden es sehen ;-)

  2. Naja, der B29-Tunnel vor Stuttgart heißt “Kappelbergtunnel”, das weiß doch wirklich jeder! :-)
    Ansonsten, hoffentlich klappt das mit dem Bad Spencer, und dass er dank euch leibhaftig vorbeischaut, scheint ja schon ziemlich wahrscheinlich. Das wird ein Festtag!

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